UPDATE | September 2026:
Neue Vorwürfe – und ein Milliardenurteil zugunsten der RBI in Wien
(Zum aktuellen Update siehe auch unseren Beitrag: 24.09.26: RBI zwischen neuen Vorwürfen, Milliardenurteil und EU-Sanktionen-news-belarus-diaspora.at)
Am 17. September 2026 veröffentlichte der US-Leerverkäufer Grizzly Research eine umfangreiche Untersuchung zu Raiffeisen Bank International (RBI) und deren Russlandgeschäft Raiffeisen Bank International-Linked Customs Records Show $1.19 Billion in Trade Matching Sanctions and Export-Control Restrictions While €12.6 Billion Remains Trapped in Russia – Grizzly Research LLC
Grizzly Research gibt an, russische Zolldaten ausgewertet zu haben, die Handelsgeschäfte im Umfang von rund 1,19 Milliarden US-Dollar mit Waren zeigen sollen, die zum jeweiligen Zeitpunkt EU-, US-amerikanischen, britischen oder Schweizer Sanktions- bzw. Exportkontrollbeschränkungen unterlagen. Darunter befanden sich laut Grizzly Research Waren im Wert von rund 106,75 Millionen US-Dollar, die auf der sogenannten Common High Priority List (CHPL) stehen – einer Liste von Gütern, die westliche Behörden als besonders relevant für Russlands Kriegsanstrengungen eingestuft haben.
Grizzly Research weist zugleich darauf hin, dass die ausgewerteten Zolldaten für sich genommen weder Zahlungen oder Finanzierungen durch die Bank noch konkrete Sanktionsverstöße belegen. Darüber hinaus wirft der Bericht Fragen zum tatsächlichen Umfang der in Russland gebundenen Liquidität von RBI sowie erneut zum Verkauf der belarusischen Priorbank auf.
RBI weist die Vorwürfe von Grizzly Research kategorisch zurück. Die Bank bezeichnet zentrale Annahmen und Schlussfolgerungen des Berichts als falsch bzw. irreführend und erklärt, dass ihre russische Tochterbank die geltenden Sanktionsvorschriften einhalte. RBI kündigte zudem an, rechtliche Schritte gegen Grizzly Research zu prüfen. 17.09.26 RBI weist Anschuldigungen in einem Leerverkäuferbericht entschieden zurück- rbiinternational.com
Der nächste Akt: 3,15 Milliarden Euro vor einem Wiener Gericht
Nur wenige Tage später, am 22. September 2026, erzielte RBI vor dem Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien einen bemerkenswerten juristischen Erfolg.
Das Gericht sprach RBI und ihrer russischen Tochtergesellschaft in einem Versäumnisurteil gegen die EU-sanktionierte russische Gesellschaft Rasperia Trading Schadenersatz in Höhe von rund 3,15 Milliarden Euro zu.
22.09.26: RBI erwirkt Versäumungsurteil gegen Rasperia in Österreich - rbinternational.com
Hintergrund ist unter anderem ein russisches Gerichtsurteil, infolge dessen der russischen RBI-Tochter bereits Vermögenswerte in Milliardenhöhe entzogen wurden. RBI beziffert den daraus entstandenen Schaden einschließlich weiterer Positionen auf rund 3,15 Milliarden Euro.
RBI möchte den ihr nun in Österreich zugesprochenen Anspruch insbesondere aus Vermögenswerten von Rasperia vollstrecken, die aufgrund der EU-Sanktionen in Österreich eingefroren sind. Dazu gehören 28,5 Millionen STRABAG-Aktien sowie damit verbundene Dividenden und Ausschüttungen.
Das Urteil bedeutet allerdings noch nicht, dass RBI diese 3,15 Milliarden Euro bereits erhalten hat. Rasperia kann innerhalb von vier Wochen Rechtsmittel gegen das Versäumnisurteil einlegen. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, müsste RBI zudem bei der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) die Freigabe der sanktionierten Vermögenswerte beantragen.
Das Paradoxon
Damit entsteht eine bemerkenswerte Konstellation:
Während RBI wegen ihres weiterhin bestehenden Russlandgeschäfts und angesichts neuer Vorwürfe möglicher Sanktionsumgehungen erneut unter öffentlicher Kritik steht, versucht die Bank nun, einen in Russland entstandenen Milliardenschaden durch den Zugriff auf Vermögenswerte zu kompensieren, die in Österreich aufgrund der EU-Sanktionen gegen Rasperia eingefroren sind.
Die Besonderheit liegt darin, dass RBI damit gerade auf jene Vermögenswerte zugreifen möchte, deren Verfügbarkeit aufgrund des europäischen Sanktionsregimes eingeschränkt ist. Ob dieser Zugriff tatsächlich möglich sein wird, hängt unter anderem von der Rechtskraft des Urteils und einer entsprechenden Freigabe durch die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) ab.
Gleichzeitig bleibt RBI die größte westliche Bank, die weiterhin in Russland tätig ist.
Vor diesem Hintergrund erhält auch die bereits 2025 beim Europäischen Parlament eingereichte Petition Nr. 1003/2025 von Valery Tsepkalo im Namen des Belarus Democratic Forum neue Aktualität. Die Petition betrifft mutmaßliche Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Raiffeisen Bank in Belarus und fordert eine Prüfung der Rolle von RBI sowie möglicher institutioneller Reaktionen der EU, einschließlich möglicher Sanktionen.
Am 24.03.2026 wurde die Petition im Petitionsausschuss des Europäischen Parlaments behandelt.
- Committee on Petitions Ordinary meeting 16:55:04: https://multimedia.europarl.europa.eu/en/webstreaming/committee-on-petitions-ordinary-meeting_20260324-1430-COMMITTEE-PETI
- Full statement V. Tsepkalo https://tsepkalo.com/en/publications/politics/petition-presented-before-the-european-parliament
- Der Petitionsausschuss beschloss, die Petition nicht abzuschließen und die schriftliche Antwort der Europäischen Kommission abzuwarten 16.6.2026 NOTICE TO MEMBERS Subject: Petition No 1003/2025 by Valery Tsepkalo (Belarusian), on behalf of “Belarus Democratic Forum”, on alleged human rights violations involving Raiffeisen Bank in Belarus.
Nach der Veröffentlichung der Untersuchung von Grizzly Research wandte sich das Belarus Democratic Forum am 18.09.2026 erneut an europäische Institutionen: 18.09.26 https://t.me/belarusforumorg/334.
Ob die neuen Vorwürfe regulatorische oder politische Konsequenzen haben werden, ist derzeit offen. Gerade deshalb stellt sich die grundsätzliche Frage umso deutlicher: Wie konsequent und gleichmäßig werden europäische Sanktionen angewandt, wenn ein Bankkonzern, dessen Russlandgeschäft selbst Gegenstand erheblicher Kritik und regulatorischer Fragen ist, gleichzeitig versucht, Milliardenverluste aus seinem Russlandgeschäft durch den Zugriff auf Vermögenswerte zu kompensieren, die in Österreich aufgrund eben dieser EU-Sanktionen eingefroren sind?
Bemerkung am Rande: RBI setzt auf Krypto
23.09.2026: Fast zeitgleich mit diesen Entwicklungen kündigten Raiffeisen Bank International und Bitpanda eine Ausweitung ihrer strategischen Partnerschaft im Bereich digitaler Vermögenswerte an. Geplant ist ein gruppenweiter Rahmen für Digital-Asset-Services in den Märkten der RBI in Zentral- und Osteuropa. Das RBI-Netzwerk umfasst Tochterbanken in elf Märkten und rund 18 Millionen Kunden. Die Einführung soll schrittweise und unter Berücksichtigung der jeweiligen regulatorischen Anforderungen erfolgen: 23-09-26 - Bitpanda and Raiffeisen Bank International expand strategic digital asset partnership - bitpanda.com
Bemerkenswert ist diese Entwicklung auch vor dem Hintergrund der europäischen Sanktionspolitik: Die EU hat ihre Maßnahmen im Bereich der Krypto-Assets 2026 ausdrücklich verschärft. Das 21. Sanktionspaket gegen Russland sieht unter anderem Beschränkungen für Krypto-Dienstleister und Krypto-Plattformen in Drittstaaten vor, die zur Umgehung von Sanktionen genutzt werden (23.07.26 - EU adopts 21st package of sanctions against Russia - finance.ec.europa.eu/news).
Daraus ergibt sich kein Hinweis darauf, dass die Kooperation zwischen RBI und Bitpanda der Sanktionsumgehung dient. Die zeitliche und regulatorische Konstellation ist dennoch bemerkenswert: RBI weitet ihr Geschäft mit digitalen Vermögenswerten gerade in einer Phase aus, in der die EU den Krypto-Sektor verstärkt unter dem Gesichtspunkt möglicher Sanktionsumgehungen reguliert.
UPDATE | März 2026:
RBI im Petitionsausschuss des Europäischen Parlaments
26.03.26: Belarus Context в X: «Raiffeisen Under Scrutiny in the European Parliament" https://x.com/BelarusContext/status/2037174712451604588?s=20
24.03.26: A hearing was held in the European Parliament on a petition concerning Raiffeisen Bank International, submitted by Dr. Valery Tsepkalo on behalf of the Belarusian Democratic Forum. Source: Sanctions Circumventions and EU Double Standards - Tsepkalo.com
"The petition received unanimous support from all Members of the European Parliament present. During the debate, it was explicitly supported by representatives of the Social Democrats (S&D), the liberal Renew Europe group, as well as members of the conservative wing of the Parliament. Other Members expressed their support through the vote".
23.03.26: Belarusische Diaspora in Österreich X: «24.03.26 14:30 Petitionsausschuss des @Europarl_EN Öfftl. Anhörung zur Petition 1003/2025 v. @ValeryTsepkalo, die Aktivitäten der RaiffeisenBank in Belarus und Russland in Frage stellt, auf systemische Menschenrechtsverletzungen sowie das EU-Sanktionsregime Untergrabung hinweist. https://t.co/sjpdg0VOSj» / X
UPDATE | 2025:
Priorbank-Verkauf und neue Vorwürfe gegen RBI
16.01.25: On the Sale of Raiffeisen Bank in Belarus - Tsepkalo.com
"...we respectfully request the European Commission to initiate a comprehensive investigation into the transaction conducted by Raiffeisen Bank International AG (RBI) involving the sale of its 87.74% stake in Belarus' Priorbank. This transaction appears to constitute clear violations of EU transparency regulations, market abuse laws, financial accountability standards, and discriminatory practices"
16.01.25: Кто приобрел Райффайзен - Tsepkalo.com
"Мы обратились в Европейскую комиссию с просьбой инициировать всестороннее расследование сделки, проведенной Raiffeisen Bank International AG (RBI), связанной с продажей 87,74% акций Priorbank в Беларуси. Эта сделка нарушает нормы ЕС о прозрачности и стандарты финансовой отчетности, принятой в отношении публичных компаний в Европе, Америке и Азии."
16.01.25: Валерий Цепкало, телеграм: Кому Райффайзен продал Приорбанк? видео
08.01.25: Valery Tsepkalo auf X: „ I’ve filed a lawsuit against Raiffeisen in the Civil Court of Vienna, presenting evidence of their role in aiding oppressive regimes to confiscate assets and seize valuables from safety deposit boxes. I am eager to see Strobl (CEO) and Hameseder (Chairman) in court, expose them as examples of how some individuals prosper on the blood and suffering of others, and welcome the media to witness this fight for justice.“
08.01.25: Raiffeisen: Banking on War and Greed - Tsepkalo.com
"Despite Raiffeisen Bank International AG (RBI) finding itself at the center of allegations of human rights abuses and sustaining war efforts, the bank continues to maintain and expand its operations in contentious markets. This persistence is driven by the significant profits it generates, which, in turn, enable it to lobby effectively and avoid accountability".
08.01.25: Валерий Цепкало, телеграм: "Я подал иск против Raiffeisen в Гражданский суд Вены, представив доказательства их причастности к конфискации активов и изъятии ценностей политических и гражданских активистов".
08.01.25: Райффайзен. Алчность как пособник войны - Tsepkalo.com
"Raiffeisen Bank обвиняется в нарушении прав человека в Беларуси и поддержке войны в Украине. Тем не менее, он продолжает сохранять свою деятельность на токсичных рынках. Это объясняется огромными прибылями, которые позволяют ему эффективно лоббировать свои интересы и избегать ответственности."
UPDATE | 2024:
Vorwürfe wegen Belarus- und Russlandgeschäft
27.12.24: Raiffeisen Bank: Complicity in Oppression and War Crimes - Tsepkalo.com
UPDATE | 2023:
Russlandgeschäft, Belarus und wachsender Sanktionsdruck auf RBI
18.05.23: Raiffeisen Bank закрывает корреспондентские счета белорусских банков (officelife.media)
17.05.23: Аўстрыйскі «Райфайзэн» спыняе супрацоўніцтва з беларускімі банкамі са жніўня
"Аўстрыйскі «Райфайзэн» разаслаў беларускім банкам паведамленне аб тым, што са жніўня спыняе з імі карэспандэнцкія адносіны. Гэта азначае, што закрываецца адзін з апошніх каналаў руху грошай на Захад і з Захаду"
17.03.23 Die Verantwortlichen für Gewalt... - Belarusische Diaspora in Österreich | Facebook:
"Die Verantwortlichen für Gewalt, Massenunterdrückung und sogar Tötung von Zivilisten in Belarus halten ihr Geld in drei belarusischen Banken: Белинвестбанк (Belinvestbank), Беларусбанк (Belarusbank) und ОАО "Белагропромбанк" (Belagroprombank).
Belinvestbank hält Konten von Mitarbeitern der Minsker Polizei und der Minsker Bereitschaftspolizei (OMON), Belarusbank von Generalstaatsanwaltschaft,
Belagroprombank von GUBOPiK, Innenministerium (МВД Беларуси), Akademie des Innenministeriums, SOBR, Untersuchungsausschuss.
Wir fordern die Raiffeisen Bank International AG durch ihre Tochterbank in Belarus Приорбанк auf, die Korrespondenzkonten der oben genannten belarusischen Banken zu schließen. Diese Banken dienen Personen, die unter europäischen Sanktionen fallen"
20.02.23: Exclusive: U.S. sanctions authority probes Raiffeisen on Russia | Reuters
18.02.23: Міністэрства фінансаў ЗША правярае Raiffeisen Bank — уласніка беларускага Прыёрбанка
UPDATE | 2021:
Belarus-Sanktionen und die Rolle österreichischer Banken
17.06.21: Stellungnahme von Belarusische Diaspora in Österreich zu „Politico“: Österreich bei Belarus-Sanktionen auf der Bremse - news.ORF.at:
"Basierend auf den jüngsten Bericht von POLITICO Europe, möchten wir darauf hinweisen, dass die Vertreter der Belarusische Diaspora in Österreich an keinen Studien über die Haltung der Belarusen zu #Sanktionen gegen das #Lukaschenka-Regime teilgenommen haben. Das weder von unabhängigen Forschungsinstituten noch von den offiziellen Stellen der Republik #Österreich.
Wir werden uns weiterhin für die Verhängung härtester Sanktionen gegen das Regime einsetzen.
Darüber hinaus, nach unseren Beobachtungen und gemäß Medienberichten, befürwortet eben die Mehrheit der belarussischen Bevölkerung die Sanktionen gegen das Lukaschenka-Regime, insbesondere im Finanzsektor.
In diesem Zusammenhang möchten wir wiederholt darauf hinweisen, dass all jene belarusischen Staatsbürger in Österreich, die sich für eine Lockerung der Sanktionen einsetzen, entweder mit dem Regime in Verbindung gebracht werden können oder ausschließlich ihre persönlichen Ambitionen und Ziele verfolgen.
Wie etwa Herr Sergey Kostyuchenko, Vorstandsvorsitzender der Priorbank #Belarus (87,7% Tochtergesellschaft der Raiffeisen Bank International AG (RBI) seit 2003), der auch das Amt des #Honorarkonsuls der Republik Österreich in Belarus bekleidet"
08.03.21: Es ist genau das, was es... - Belarusische Diaspora in Österreich | Facebook:
Es ist genau das, was es ist, sehr geehrte Damen und Herren aus Raiffeisen Bank International AG und Erste Bank und Sparkasse:
Wirtschaftliche Unterstützung der Menschenrechtsverletzungen in der Zeiten schwerer #Repressionen in #Belarus durch Regimes Staatsanleihenskauf!
Das Geld Ihrer Kunden, Österreicher und Österreicherinnen, wird verwendet, um Gewalt und Morde in #Belarus zu finanzieren!
Verkaufen Sie alle belarussische Staatsanleihen! Investieren Sie in freies Belarus - ohne Gewalt und Menschenrechtsverletzungen!
Belarusian Bonds = Blood Money #BelarusBloodBonds #StandWithBelarus
15.01.21: Our open letter to Mrs.... - Belarusische Diaspora in Österreich | Facebook:
Our open letter to Mrs. @Ingrid Krenn-Ditz and Mr. Christof Danz of Raiffeisenbank International with the plea to support #Belarusian people and sports without #Tyranny and blood:
Raiffeisen Bank International (rbinternational.com)
#Austria #RBI #Belarus #Priorbank #Russia #Sanctions
